Leserbrief zum Hilden-Konzert in den Hapag-Hallen am 24. Februar

Entschuldigung, Jens Potschka, dass ich da widerspreche. Die „bemerkenswerte Live-Stimme“ war das Ärgernis der Konzertes der Gregor Hilden Band am Dienstag in den Hapag-Hallen in Cuxhaven. Angekündigt als Konzert des außergewöhnlichen und sensiblen deutschen Bluesgitarristen bin ich angereist und hoffte auf einen Ohrenschmaus.

Es ging ja auch ganz hervorragend los. Die Band kam zwar etwas verspätet auf die Bühne, aber dann fehlten nur ein paar Akkorde und man konnte die Augen schließen und sich diesem Klangteppich mit den außergewöhnlichen Solisten Hilden und Maschmeyer hingeben.Ich war kurz gesagt nach diesem einen Song glücklich und wollte schon in dieser Aussicht versinken. Da trat der „Star“ des Abends auf: laut, schlicht, unsensibel! Hatte man als alternativer Blueshörer auf ein jazzig-souliges Programm mit vielen Improvisationen ohne enge Schemen gehofft, so nahm das Unglück jetzt seinen Lauf. Es wurde ein sehr biederes Programm von all dem, was man so in der Mottenkiste der „Klassiker“ finden konnte. Es war sozusagen ein „Oldie Konzert“, das ich nicht gebucht hatte und das auch so nicht zu erwarten war. Ich hatte bei der Ankündigung der Deborah Woodson mit ihrer Musical-Vergangenheit schon gewisse Befürchtungen, die wurden für den Rest des Abends mehr als bestätigt. Ist es wirklich so, dass das Publikum für die primitive Anmache zu haben ist? Ich weigere mich, das zu glauben und denke, dass dies eher der Höflichkeit der Anwesenden zu schulden ist.

Es gibt tatsächlich Menschen, die nicht Musik durch mehr oder weniger gelungenes Mitsingen und Klatschen vergewaltigen wollen. Wie gesagt, es war ja keine Oldie-Fete ….. Ich besuche solche Veranstaltungen (zu denen ich bisher wegen einiger hervorragender Blueskonzerte in die Hapag-Hallen gekommen bin), weil ich gerade nicht den „echten Bühnenprofi“ sehen will, der effekthaschend seine Mittel und Reize zur Selbstdarstellung nutzt.

Das sind mir ein stiller Hilden und die dezente Maschmeyer doch hundert Mal lieber! Solche Leute sprechen mich mit ihrem Instrument an! Und auch das war bei der eingeflogenen Dame allenfalls durchschnittlich, manchmal wirklich schrill, ohne die sonore Tiefe, die ja zu einer Soulstimme gehört.

Leider war es so wie beschrieben – Gregor Hilden überließ den Hauptakt der stimmvergewaltigenden Woodson. Und da muss ich ihm einen Vorwurf machen. Hätte man der Sängerin einen gewissen Teil überlassen - sie war ja anscheinend auch teuer - das hätte ich hingenommen. Aber nicht einmal am Schluss gab die Dame dem schüchternen Herrn noch einmal die Chance, sein herausragendes Können zu zeigen. Einige wenige Soli ließen noch einmal kurze Glückmomente aufkommen.

Da hat man schon so ein Spitzensemble in Cuxhaven und das beschränkt sich auf die biedere Zuarbeit. Schade, schade, da wurde fast alles nicht geboten, was die Musiker drauf haben.

Hätte ich nur das Jubiläumskonzert damals besucht …….